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Brustkrebs

Häufige Fragen auf einen Blick

Die Diagnose Brustkrebs ist oft ein großer Schock. Doch schon bald beginnen sich viele Betroffene Fragen zum Umgang mit der Krankheit zu stellen. An dieser Stelle ein paar Antworten auf häufige Fragen.


Was ist Brustkrebs, und wie oft tritt er auf?

Unter der Bezeichnung Brustkrebs, die Mediziner sprechen vom Mammakarzinom (mamma lat. weibliche Brust, karkinos griech. Krebs), werden bösartige Tumoren der Brustdrüse zusammengefasst. Fast alle gehen von den Milchgängen oder den Drüsenläppchen des Brustgewebes aus. Sie werden entsprechend duktale (ductus lat. Gang) oder lobuläre (lobos griech. Lappen) Karzinome genannt.

Brustkrebs ist in erster Linie eine Erkrankung der Frau, allerdings kann sie in seltenen Fällen auch bei Männern auftreten. Ihre Häufigkeit nimmt stetig zu. Weltweit wird die Krankheit jedes Jahr bei rund 1,1 Millionen Frauen diagnostiziert. Dabei zeigt sich eine unterschiedliche geographische Verteilung. So tritt Brustkrebs in Europa, den USA und Australien sehr viel häufiger auf als in Afrika oder Asien. Auch zwischen den europäischen Ländern gibt es große Unterschiede. In Deutschland erkranken derzeit jedes Jahr mehr als 57.000 Frauen.

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In welchem Alter tritt Brustkrebs am häufigsten auf?

Grundsätzlich nimmt das Risiko für Brustkrebs mit dem Lebensalter zu. Allerdings erkranken zunehmend auch jüngere Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt derzeit bei 63 Jahren und damit sechs Jahre unter dem mittleren Erkrankungsalter aller Krebserkrankungen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Es gibt Faktoren, die die Entstehung und das Wachstum von Brustkrebs begünstigen. Dazu gehören:

  • Gutartige Brusterkrankungen: Proliferative Mastopathie, bei der es zu einer zunächst gutartigen Vermehrung von Brustgewebe mit beginnenden Zellveränderungen kommt.
  • Erbliche Faktoren: sog. Brustkrebsgene BRCA1, BRCA2 (BRCA = BReast CAncer), die zu einer familiären Häufung von Brustkrebs führen.
  • Lebensstilfaktoren: erhöhter Alkoholkonsum, Übergewicht, Ernährung mit hohem Fettanteil, Kinderlosigkeit, späte erste Schwangerschaft, früher Beginn der monatlichen Regelblutung, später Eintritt der Menopause.
  • Einfluss von Hormonen: Östrogene und Progesteron fördern das Wachstum hormonempfindlicher Brusttumoren.

Wie ist die Prognose bei Brustkrebs?

Die Prognose hängt wie bei vielen anderen Krebsarten auch, von verschiedenen Faktoren ab, u.a. davon, in welchem Stadium der Krebs entdeckt und behandelt wird. Für alle Brustkrebspatientinnen und Stadien zusammen liegt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate derzeit bei etwa 81 Prozent. Das bedeutet, dass fünf Jahre nach Diagnosestellung noch mehr als vier Fünftel der erkrankten Frauen leben. Damit hat sich die Prognose bei Brustkrebs in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Das wird zum einen auf effektivere Methoden der Früherkennung zurückgeführt, insbesondere das Mammographie-Screening, zum anderen auf die Einführung neuer wirksamerer, im ganzen Körper wirkender (systemischer) Therapien.

Wovon hängt die Prognose ab?

Der Krankheitsverlauf und die Prognose bei Brustkrebs werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören u.a.:

  • die Größe des Tumors bei der Erstdiagnose
  • die Ausbreitung des Tumors bei der Erstdiagnose (Lymphknotenbefall, Metastasen in anderen Organen)
  • der Differenzierungsgrad der Tumorzellen (histologisches Grading): Wie stark weichen Tumorzellen von normalen Brustzellen ab?
  • der Hormonrezeptorstatus des Tumors (hormonempfindlicher oder -unempfindlicher Tumor)
  • der HER-2/neu-Status (HER-2/neu-positiver oder -negativer Tumor): HER-2/neu ist ein Eiweiß, das auf der Oberfläche der Krebszellen vermehrt vorkommen kann und wachstumsfördernde Faktoren bindet
  • die Anwesenheit zirkulierender Tumorzellen in Blut und Knochenmark
  • das Lebensalter der Patientin


  • Im Einzelfall treffen zumeist verschiedene Einflussfaktoren aufeinander, die sich in ihrer Auswirkung auf die Prognose gegenseitig beeinflussen. Statistische Werte zur Prognose sind deshalb immer nur als eine grobe Orientierungshilfe zu verstehen.

Sollte ich zum Arzt gehen, wenn ich einen Knoten in der Brust fühle?

Ja, wer einen Knoten in der Brust fühlt, sollte den Frauenarzt aufsuchen. Nur dieser kann beurteilen, ob es sich bei dem Knoten um eine harmlose Veränderung oder einen bösartigen Tumor handelt. Im Zweifelsfall leitet der Arzt weitergehende Untersuchungen ein.

Welche Untersuchungen sind notwendig, um Brustkrebs sicher ausschließen zu können?

Neben der Erfassung der persönlichen und familiären Krankengeschichte (Anamnese) und der Tastuntersuchung sind weitere Untersuchungen notwendig, um sicher zwischen gut- und bösartigen Veränderungen der Brust unterscheiden zu können. Durchgeführt werden Ultraschall (Sonographie), Röntgen der Brust (Mammographie) und eine Feinnadelbiopsie (Entnahme von Gewebe mit einer dünnen Nadel und anschließende mikroskopische Untersuchung). Endgültige Gewissheit bringt in der Regel die feingewebliche Untersuchung des Operationsbefundes.

Können durch die Feinnadelbiopsie Krebszellen in den Körper gestreut werden?

Bei der Feinnadelpunktion, die oft unter Ultraschallkontrolle stattfindet, mithilfe einer dünnen Punktionskanüle Zellen aus verdächtigen Herden entnommen und anschließend unter dem Mikroskop beurteilt. Nach derzeitigem Wissensstand ist eine Verschleppung von Krebszellen in den Körper durch diese Untersuchungsmethode nicht zu befürchten.

Was sind Metastasen und weshalb sind sie gefährlich?

Bösartige Tumoren der Brust neigen dazu, sich über das Lymphsystem und die Blutgefäße in andere Organe auszubreiten und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden. Betroffen sind zunächst v.a. die Knochen (Wirbelsäule, Becken, Rippen, Oberschenkel, Schädel), die Lunge und die Leber, später auch alle anderen Organe. Nach und nach verdrängen und zerstören die Metastasen das normale Organgewebe. Die betroffenen Organe können ihre Funktion nicht mehr erfüllen, Schmerzen und gefährliche Komplikationen treten auf.

Wie wird Brustkrebs behandelt?

Die Therapie von Brustkrebs richtet sich in erster Linie nach dem Ausprägungsgrad der Krankheit. Ausschlaggebend sind Typ und Größe des Tumors, seine Ausbreitung, der Hormonrezeptorstatus sowie das Alter der Patientin.

Standardbehandlung ist in jedem Fall die operative Entfernung des Tumors. Tumoren im Frühstadium, die zum Zeitpunkt der Diagnosestellung noch nicht in andere Organe gestreut haben, lassen sich durch die Operation oftmals heilen. Dennoch bleibt ein Restrisiko, dass im Körper zirkulierende Krebszellen übriggeblieben sind. Deshalb schließt sich an die Operation in der Regel eine adjuvante (unterstützende) Behandlung mit Nachbestrahlung, Chemotherapie, Hormontherapie bei hormonempfindlichen Tumoren und/oder zielgerichteten Therapien bei HER-2/neu-positiven Tumoren an. Dadurch soll das Risiko für ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Krankheit so weit wie möglich gesenkt werden.

Auch bei stark fortgeschrittenen Tumoren, die bereits in andere Organe gestreut haben, folgen im Anschluss an die Operation weitere Behandlungen: Bestrahlung, Chemo-, Hormon- und/oder zielgerichtete Therapien. Sie dienen in erster Linie dazu, einzelne Metastasen zu zerstören, das Fortschreiten der Krankheit so lange wie möglich aufzuhalten und bestehende Beschwerden zu lindern.

Ist ein Tumor besonders groß, kann bereits im Vorfeld der Operation eine Behandlung mit Chemotherapie durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern (neoadjuvante Therapie).

Die einzelnen Behandlungsschritte müssen in jedem einzelnen Fall genau abgewogen werden. Zudem werden derzeit im Bereich der modernen Therapien, etwa der Hormontherapie und der zielgerichteten Therapien große Forschungsbemühungen unternommen. Brustkrebspatientinnen sollten sich über ihren Arzt immer auch über die Möglichkeiten zur Teilnahme an aktuellen Studien informieren.

Kann ich nach der Chemotherapie noch Kinder bekommen?

Eine Chemotherapie kann die Eierstöcke unumkehrbar schädigen, sodass eine spätere Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Dennoch müssen die Betroffenen nicht zwangsläufig kinderlos bleiben, mit modernen Verfahren lässt sich oftmals trotz der erfolgten Krebstherapie eine Schwangerschaft ermöglichen (z.B. Entnahme und Konservierung von Eizellen vor Beginn der Krebsbehandlung). Brustkrebspatientinnen sollten vor Beginn der Behandlung mit ihrem behandelnden Arzt über einen bestehenden Kinderwunsch sprechen.

Wann wird eine Hormontherapie durchgeführt und ist sie wirklich unbedingt notwendig?

Ein großer Teil der Brusttumoren wird durch Östrogene und Progesteron gefördert. Die Hormone regen die Vermehrung der Tumorzellen an und beschleunigen so das Wachstum der Tumoren. Dies geschieht immer dann, wenn die Tumorzellen auf ihrer Oberfläche Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren, für die Hormone tragen, also Hormonrezeptor-positiv sind. Da die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone in den Wechseljahren nachlässt, nehmen hormonempfindliche Brusttumoren bei Frauen vor der Menopause - angeregt durch die Hormonwirkung - meist einen rascheren Verlauf als bei Frauen nach der Menopause.

Die das Tumorwachstum begünstigende Wirkung der Hormone lässt sich durch eine "Anti"-Hormontherapie hemmen. Dadurch kann das Rückfallrisiko für die Erkrankung deutlich gesenkt werden. Die Hormontherapie ist deshalb heute Standard bei der Behandlung von Hormonrezeptor-positiven Brusttumoren und sollte wenn möglich grundsätzlich durchgeführt werden. Vor der Menopause kommen in erster Linie Antiöstrogene (Tamoxifen) und GnRH-Analoga, nach der Menopause Antiöstrogene (Tamoxifen) und Aromatasehemmer zum Einsatz.

Ist ein Wechsel der Hormontherapie nach einiger Zeit sinnvoll?

Das Antiöstrogen Tamoxifen gilt als Standard bei der Antihormontherapie von hormonempfindlichem Brustkrebs im Frühstadium. Außerhalb von klinischen Studien wird Tamoxifen derzeit allerdings nicht länger als fünf Jahre verabreicht, da bislang keine Vorteile einer längeren Behandlungsdauer nachgewiesen werden konnten. Nach dem Absetzen von Tamoxifen steigt das Risiko für ein erneutes Auftreten der Krankheit enorm an. Mehr als die Hälfte aller Rückfälle treten nach Beendigung der Tamoxifenbehandlung auf. Studienergebnisse zeigen, dass dann der Einsatz eines Aromatasehemmers sinnvoll ist: Es treten weniger Rückfälle in der ursprünglich erkrankten Brust auf, ebenso weniger Metastasen in anderen Organen und weniger Fälle von Brustkrebs in der anderen Brust. Der Wechsel von Tamoxifen auf einen Aromatasehemmer zahlt sich selbst dann aus, wenn er mit einiger Verzögerung erfolgt.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei der Hormontherapie rechnen?

Bei Frauen vor der Menopause werden durch die Hormontherapie vorzeitig die Wechseljahre mit ihren typischen Beschwerden ausgelöst: Ausbleiben der Monatsblutung, Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Austrocknung und Entzündung der Scheidenschleimhaut, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen.

Ist es ratsam, östrogenhaltige Salben gegen die durch Hormontherapie ausgelöste Scheidentrockenheit anzuwenden?

Nein, da die krebsbekämpfende Wirkung der Hormontherapie dann abgeschwächt wird. Sicher hingegen ist die Anwendung spezieller Gleitmittel auf Wasserbasis. Sie können die Befeuchtung der Scheide verbessern und die Gleitfähigkeit beim Verkehr wiederherstellen.

Wo finde ich als Betroffene Rat?

Bei einer so schweren Erkrankung wie Brustkrebs kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein. Allein das Wissen, dass andere das Schicksal teilen und die damit verbundenen Herausforderungen meistern, stärkt oft schon den eigenen alltäglichen Umgang mit der Krankheit. Möglich wird der Austausch in speziellen Internet-Foren und Selbsthilfegruppen. Hier können die Betroffenen von dem Wissen anderer profitieren und auch ihre eigenen Erfahrungen weitergeben. Mittlerweile gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Selbsthilfe bei Brustkrebs.

Wo finde ich Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen?

Antworten auf sozialrechtliche Fragen erhalten Brustkrebspatientinnen und ihre Angehörigen bei den Sozialdiensten, die es in den meisten großen Krankenhäusern, Krebsberatungsstellen, Geschäftsstellen von Krankenkassen und Gesundheitsämtern, Einrichtungen der Wohlfahrtspflege und onkologischen Rehabilitationskliniken gibt. Diese informieren auch über Hilfsmöglichkeiten (z.B. Haushaltshilfen), stellen Kontakte zu Beratungsstellen (z.B. Psychologen, Familienberatung) und Selbsthilfegruppen her und helfen bei der Erstellung von Anträgen etwa für Kuren oder einen Schwerbehindertenausweis.

Nach Informationen des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) und das Robert Koch-Institut (RKI). Krebs in Deutschland 2003-2004. 6. Auflage, Saarbrücken 2008.


Autor: Kathrin Sommer
Stand: Sep 30, 2008


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